Es wird wohl noch etwas dauern bis die Besucher wieder ins „Museum beim Taubnschuster“ dürfen. Die Ausstellungen zur Stadtgeschichte und zum heimischen Kommunbrauwesen sind genauso gesperrt, wie die Sonderausstellung „Begegnung mit Eschenbach“, wo Eschenbacher Maler ihren Blick auf die Heimatstadt zeigen. Dennoch bietet das Taubnschustermuseum quasi „im Vorbeigehen“ den Spaziergängern neue Einblicke in seine Sammlungen.

 

Die Erdgeschossfenster des alten Ackerbürgerhauses sind von 15 bis 21 Uhr beleuchtet und dekoriert mit Raritäten aus den Museumsbeständen des Heimatvereins. Da bilden z. B. zum Thema „Kaffeetafel“ schöne alte Kannen und weiteres Geschirr, Kaffeemühlen und Blechdosen für Bohnen und Zucker einen hübschen Blickfang. Ein Stück weiter geben alte Vorratsgefäße aus einem Eschenbacher Haushalt oder Küchenutensilien vom blechernen „Milchkannl“ bis zu urtümlichen Schöpfkellen, Kartoffel- und Gemüsereiben einen Eindruck von der Küchenausstattung vergangener Zeiten.

Auch einige Besonderheiten aus der Kunstsammlung des Hauses finden ihren Platz zum „Fensterguckn“. Eine geheimnisvolle, lebensgroße Holzfigur aus der Werkstatt von Max Gradl, effektvoll beleuchtet, kann bewundert werden.

Besonders gelungen sind zwei korespondierende Charakterköpfe aus Kunststein vom gleichen Künstler. Viele werden sich noch an die abgebildeten Eschenbacher Originale Resa Schönemann und Karl Reiß erinnern. Die Resa betrieb einst ein Schreibwarengeschäft mit Leihbibliothek in der Stadt und hat in den Fünfziger und Sechziger Jahren den Berliner Tourismus in Eschenbach nahezu alleine gemanaget. Die umtriebige kleine Person stammte aus dem „Cafe Schmidt“ (heute Stadtcafe), das ihr Vater Lorenz Schmidt seit 1901 betrieben hatte. In den Kulturinstitutionen Volksbildungswerk und Heimatverein hat sich Resa Schönemann bis zu ihrem Tod im Jahre 1992   mit großem Elan engagiert. Sie nahm kein Blatt vor dem Mund wenn ihr in der Lokalpolitik etwas nicht passte. Legendär war ihr Auftritt in der Sendung „Jetzt red i!“, wo sie den schleppenden Fortschritt bei der Sanierung des Klosters Speinshart anprangerte und den Verantwortlichen zurief „Schickt´s eich amal, sunst daleb` ich`s nimma!“.

Der letzte approbierte Bader im Landkreis war der Karl Reiß aus Eschenbach. Er wurde 1901 im „Kirschenerbiener“-Haus am oberen Stadtplatz geboren. Seine Lehrjahre verbrachte er beim Bader Kiermaier. Der Karl hat zwar keine Zähne mehr gezogen, immer nur Haare geschnitten oder rasiert, die Baderprüfung hat er aber in den Zwanziger Jahren noch gemacht. Bis zum 2. Weltkrieg hatte  er ein Frisörgeschäft in Nürnberg, wo er sich im Verein der Oberpfälzer in der Noris engagierte.

Nach dem Krieg kehrte er zurück in seine Heimatstadt und eröffnete in seinem Vaterhaus einen Frisörladen. Er gründete mit anderen die im Dritten Reich verbotene Gesellschaft Frohsinn wieder, wurde in den Stadtrat gewählt und glänzte bei vielen Veranstaltungen mit seiner Rednergabe. Als „lebendes Geschichtsbuch“ wurde der Reiß-Boder tituliert, wenn er bei den wöchentlichen Frohsinnabenden wieder ein altes Bild oder eine Urkunde aus der Tasche zog und von früher erzählte. Zum Abschluss seines Vortrages stimmte er stets die gemeinsam gesungene  „Frohsinn-Strophe“ mit „drei, vier...“ an: „Die Jahre werden vorübergeh`n, aber nicht die alten Sympathien...“