Streifzug durch historische Gaststätten
 
Der Neue Tag /Walther Hermann
 
"Wo Bier ausgeschenkt wird, kommen Menschen ins Gespräch, kommen sich näher, entwickeln interessante Gedanken." Den Merksatz von Gerhard Polt widmen Bernd Thurn und Karlheinz Keck der neuen Publikation des Heimatvereins.

Der Titel der neuen Publikation lautet "Im Wirtshaus - Historische Gaststätten im Eschenbacher Land". Die Autoren Bernd Thurn und Karlheinz Keck beklagen, dass die Zahl der Schankwirtschaften, wo man sich ungezwungen treffen, Bier trinken, Karten spielen oder sich einfach unterhalten konnte, besonders auf dem Dorf seit Jahrzehnten immer mehr zurückgeht. Sie schließen hierbei auch das Eschenbacher Land nicht aus, in dem von den in ihrem heimatgeschichtlichen Werk dargestellten 39 Gaststätten heute nur mehr 16 existieren. Eine davon ist das Bahnhofsrestaurant, das 1905, ein Jahr nach der Eröffnung der Bahnlinie Grafenwöhr-Eschenbach, Magistratsrat Anton Schmidt erbaute. Zu ihr gehörte auch eine Kegelbahn und war ein beliebter Treffpunkt einer noch wenig mobilen Gesellschaft. 1935 von der Raiffeisenbank erworben, diente es nach Ende des Gaststättenbetriebs zunächst leitenden Mitarbeitern der Bank als Wohnung, wurde mehrmals renoviert und wird nach langem Leerstand heute für Wohnzwecke genutzt.

Drei Töchter prägen Namen

Zu den einst zahlreichen Ausflugsgaststätten gehörte die Gaststätte "Fledermühle", für die Oswald Cermak 1950 mit gutbürgerlichem Mittagstisch warb. Als der legendäre Bäckermeister Wunibald Guth die Gaststätte übernahm, wegen seiner drei Töchter erhielt sie schnell den Beinamen "Dreimäderlhaus", wurde sie bald zu einer Begegnungsstätte für Jung und Alt. Spätere Generationen erlebten in dem Haus unvergessliche Discoabende. Vor wenigen Jahren musste das lang Zeit leerstehende Gebäude der Erweiterung des benachbarten Einkaufsmarktes weichen.

Das Blättern durch die 56-seitige Publikation mit 134 Bildern und vielen Textbeiträgen mit Hintergrundinformationen wird zu einem gedanklichen Spaziergang durch die Welt heimischer Gaststätten einst und jetzt. Den wenigsten Eschenbachern ist wohl noch bekannt, welche Gaststätten neben den noch bestehenden allein am Stadtplatz zur Einkehr geladen hatten. Bernd Thurn und Karlheinz Keck stellen diese vor. Auf der Südseite: Gasthaus und Metzgerei Sporrer, Bierwirtschaft und Metzgerei Wolfram, Café Schmidt - Stadtcafé, Gasthof "Zur Krone", Gasthof "Weißes Roß", Gastwirtschaft Schmidt und Gasthof "Zum Kronprinzen von Bayern". Nordseite: Brauerei und Gasthof Rohrer, Bierwirtschaft "Beim Schneider-Zelle", Metzgerei und Bierwirtschaft Christian Regner, "Beim Traubenwirt", Gasthof und Metzgerei "Zum Anker", Restaurant und Café Krapf und Gasthof "Zum Goldenen Löwen".

Zum "Kronprinzen von Bayern" schreiben die Autoren unter anderem: "Kronprinz Rupprecht, der Sohn des letzten bayerischen Königs Ludwig III., wurde im gleichen Jahr wie Gastwirt Karl Grafberger geboren, nämlich 1869. Wahrscheinlich zu seinen Ehren trug Grafbergers Gasthof den Namen ,Gastwirtschaft zum Kronprinzen von Bayern'. Der Wirt Karl Grafberger war ein Mann, der nicht nur seine Gäste zuvorkommend bediente, sondern auch keinen Handwerksburschen, die früher noch oft mit wenig Geld in der Tasche umherzogen, vor die Türe wies".

Haus nebenan kaufen

Zum "Traubenwirt" wissen sie zu berichten: Nach dem Dreißigjährigen Krieg erwirbt der ,Cramhandler' Gollauth Niclas das Anwesen. Er wird als ,Italus' bezeichnet, was nichts anderes bedeutet als ,Italiener'. Bald kauft er auch das benachbarte Haus (Simon), das unter der Bezeichnung ,Traubenwirt-Anwesen' geführt wird. Auf Antrag erhält Gollauth im Jahr 1701 die Schankerlaubnis auf diesem Anwesen. Die Stadt macht ihm allerdings zur Auflage, als Aushängeschild eine Tafel mit Weintrauben am Haus anzubringen. Wein ausschenkende Italiener haben an diesem Platz also eine lange Tradition. (...) Die Familie Colella aus Süditalien hat 1974 im Krapf-Haus die erste Pizzeria in Eschenbach eröffnet. 1989 kam dann der Umzug in die Nähe des Rathauses in eben jenes Gebäude, das schon vor mehr als 300 Jahren in italienischer Hand war. (...) Vierundvierzig Jahre gab es das Restaurant ,Peppo' in Eschenbach".

In dem inzwischen achten Band der heimatgeschichtlichen Beiträge über die Stadt Eschenbach in der Oberpfalz werden auch Gaststätten in Apfelbach, Barbaraberg, Münchsreuth, Netzaberg, Schmierhütte Seitenthal, Speinshart, Stegenthumbach, Süßenweiher, Tremmersdorf und um den Rußweiher beschrieben. Keck und Thurn hoffen, dass ihr Heft ein wenig dazu beiträgt, die Popularität der alten Bierwirtschaften wieder zu steigern.

Neuauflage nicht auszuschließen

Dass ein Bedarf für solche Kneipen vorhanden ist, erkennen sie am Erfolg der Zoiglwirtschaften, die jetzt in der Oberpfalz wieder allerorten eröffnet werden. "Vielleicht könnte auch eine Neuauflage des Eschenbacher Kommunbrauhauses und die Einrichtung des schon lange vorgeschlagenen Bierweges zu einer Belebung der Wirtshaussituation beitragen", erklärten sie beim Vorstellen ihrer Publikation. Sie ist zum Preis von 6,50 Euro in der Stadtapotheke erhältlich.

 

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